Eugen wurde 1804 in Frankreich geboren und wurde erst Arzt im Dienste des Heeres und der Marine, bevor er sich der Schreiberei zuwandte und zunächst abenteuerliche, grell romantische Seegeschichten verfasste, ehe er seine eigentliche Berufung entdeckte, nämlich den sozialen Zeitroman.
Wie "Der ewige Jude" zu seinem Titel kam ist schwer zu sagen, hat die Geschichte mit der mystischen Figur des "Ahasver" eigentlich sehr wenig zu tun, nehmen wir an, es waren polulistische Gründe die den Ausschlag für diese Titelwahl gaben für jene nahezu endlose Serie von Feuilletons, die zwischen 1844/45 in französischen Zeitungen quasi als Fortsetzung der Erfolgsserie "Die Geheimnisse von Paris" erschienen. Die Kritik mäkelte zwar immer an seinem schlechten Stil herum, das Publikum verschlang seine Werke aber wie warme Semmeln bis lange nach seinem frühen Tod im Jahre 1857.
Ich will nicht allzuviel von der Story verraten, es geht um Verschwörung, Intrige, Macht, Gewalt, Liebe, Leid und Leidenschaft und um den immerwährenden Kampf von Gut und Böse. Im Mittelpunkt steht wie gesagt nicht der ewige Jude, sondern die ewigen Jesuiten. Dieser feundliche katholische machtbesessene Männerbund bringt einen angesehenen Mann um Ehre und Vermögen, so daß dieser beschließt, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Die letzten Reste seines Vermögens übergibt der Mann treuhänderisch an einen vertrauenswürdigen Juden und hinterläßt ein Testament, das erst nach 150 Jahren den Nachkommen die aus dem Grundstock von 50.000 Talerchen erwachsene Erbschaft vermacht. Nun in der Tat gelingt es den treuen Juden über drei Generationen aus dem Anfangskapital 225 Millionen Talerchen zu machen, nicht ohne daß die Jesuiten hinter dieses Geheimnis kommen, die nun mit allen Mitteln versuchen, diesen Schatz zu ergaunern.
Wie wir ja immer wieder sehen, sinken moralische Bedenken umso niedriger, je höher der erhoffte Gewinn ist - mich hat dieses Buch bis zu letzten der ca. 800 reich bebilderten Seiten gefesselt, ich habe mir als nächstes gleich noch über justbook.de "Die Geheimnisse von Paris" gesichert, denn beide Bücher werden derzeit aktuell nur im Antiquariat ab ca. 7 Euro gehandelt und sind wohl zumeist in altdeutschem Schriftbild gedruckt. Wer sich davon nicht abschrecken läßt, dem winkt ausgezeichnete Unterhaltung und ein Zeitcolorit des beginnenden 19. Jahrhunderts, das in seiner Darstellungskraft durchaus an Balzac oder Dickens erinnert. Viel Spaß Ihr lieben Leseratten...