Tja, "Das Verlorene Paradies" ist derzeit das einzige Buch von John Milton, (1608-1664) das man (Reclam Verlag) beziehen kann wie mir scheint, ich bin auf den ollen John zufällig kurz vor der Wende auf dem Bahnhof Friedrichstraße gestoßen, als dortselbst der "Intershop" noch günstige Einkaufsmöglichkeiten bot, gab es auf dem Bahnsteig auch einen Zeitungskiosk in dem auch einige wenige Bücher angeboten wurden. Und da lag "Zur Verteidigung der Freiheit" von John Milton, Sozialphilosophische Traktate. Ich dachte, hört sich jut an, Freiheit verteidigen, nicht nur für die real existierende DDR. Bücher waren in der DDR immer gut und günstig und so schneite mir für 2,50 Mark der erste Milton ins Haus.
Nun, ich erfuhr, daß dieser Milton mit seinen Traktaten als Vordenker der Republik unter anderem quasi eine Verteidigungrede verfaßt hatte, für das Recht des Volkes, Könige und sonstige Obrigkeiten jederzeit zur Verantwortung zu ziehen, und einem ungerechten Monarchen auch mal eins zwei drei die Birne abschlagen zu können und die Herrschaft selbst zu übernehmen. Dieses war nämlich dem englischen König Karl (Charles) I passiert, der absolut herrschend seinen Untertanen alle Rechte genommen, einen Glaubenskrieg angezettelt hatte und wohl auch sonst nicht sonderlich sympathisch war.
Nun von den mit schlichten klaren hingelegten Entwürfen und Ideen war ich zumindest so begeistert, daß ich gleich losgezogen bin, um mehr von ihm zu lesen an politischen Schriften, die schließlich, als die Monarchie nach ein paar Jahren "unter dem Jubel der Bevölkerung" auf den Thron zurückkehrte, auf Befehl des Königs vom Henker öffentlich verbrannt wurden und John selbst vorübergehend ins Gefängnis brachten.
Nun, ich habe viele Bibliotheken und Antiquariate durchforstet in der Hoffnung, eine deutsche Gesamtausgabe oder überhaupt was politisches zu bekommen, nö, es gab das verlorene, das wiedergewonnene Paradies und Samson, große epische Dichtungen eines Meisters, aber die politischen Schriften gibst zur Zeit gar nicht und es wäre wirklich überlegenswert, ob man nicht jemeinsam eine Gesamtausgabe starten sollte. Bei John Milton handelt es sich wirklich um einen außergewöhnlichen Mann, der in einer ungewöhnlichen Zeit eine einzigartige Biografie erlebt und unsterbliche Werke hinterlassen hat.
Manchmal frage ich micht, ob nicht ein System dahintersteckt, wenn man Menschen wie Milton einfach der allgemeinen Vergessenheit übergibt...